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Safety Integrity Level (SIL): Der ultimative Guide zur Funktionalen Sicherheit
In der modernen Prozessindustrie und im Maschinenbau ist die Beherrschung technischer Risiken nicht nur eine ethische Verpflichtung, sondern eine gesetzliche Notwendigkeit. Das Safety Integrity Level (SIL) ist dabei der zentrale Maßstab. Doch was verbirgt sich hinter den vier Stufen, wie berechnet man die Ausfallwahrscheinlichkeit und warum reicht Technik allein nicht aus? In diesem Experten-Beitrag erfahren Sie alles über die Normen IEC 61508 und IEC 61511sowie die praktische Umsetzung.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist das Safety Integrity Level (SIL)?
- Die normative Basis: IEC 61508 und IEC 61511
- SIL-Einstufung: Wie viel Sicherheit ist notwendig?
- Technische Kennwerte: PFD, SFF und HFT erklärt
- Der Sicherheitslebenszyklus (Safety Lifecycle)
- Häufige Fehler bei der SIL-Implementierung
- Fazit: SIL als Wettbewerbsvorteil
Das Safety Integrity Level (SIL) ist eine Maßeinheit aus dem Bereich der Funktionalen Sicherheit. Es beschreibt die Zuverlässigkeit von sicherheitsbezogenen Funktionen in elektrischen, elektronischen und programmierbar elektronischen Systemen (E/E/PE). Vereinfacht gesagt: SIL gibt an, wie stark ein Risiko durch ein Sicherheitssystem (z. B. ein Not-Aus-System oder ein Überdruckschutz) reduziert werden muss.
Es gibt vier Stufen, wobei SIL 4 die höchste Stufe der Risikoreduzierung darstellt und SIL 1 die niedrigste Stufe für industrielle Standardanwendungen ist.
Um SIL-konform zu agieren, müssen Unternehmen zwei Hauptregelwerke kennen:
- IEC 61508: Die herstellerneutrale "Mutter-Norm". Sie definiert die Anforderungen an Geräte und Komponenten (Sensorik, Logik, Aktorik).
- IEC 61511: Die anwendungsspezifische Norm für die Prozessindustrie. Sie richtet sich primär an Planer und Betreiber von Anlagen.
Diese Normen fordern ein systematisches Functional Safety Management (FSM), um sowohl zufällige Hardwareausfälle als auch systematische Fehler zu minimieren.
Die Bestimmung des erforderlichen SIL-Levels erfolgt durch eine Gefährdungsanalyse und Risikobeurteilung. Ein bewährtes Werkzeug hierfür ist der Risikograph. Dabei werden Parameter wie Schadensausmaß, Aufenthaltsdauer, Gefahrenabwehr und Eintrittswahrscheinlichkeit bewertet. Alternativ kommt oft die HAZOP- oder LOPA-Methode (Layer of Protection Analysis) zum Einsatz.
Die technische Verifikation einer Sicherheitsfunktion erfordert die Berechnung spezifischer Kennzahlen:
- PFD (Probability of Failure on Demand): Die durchschnittliche Wahrscheinlichkeit, dass ein System im Ernstfall versagt.
PFDavg≈1/2λDU×Ti - SFF (Safe Failure Fraction): Der Anteil der sicheren Ausfälle im Verhältnis zu den Gesamtausfällen.
- HFT (Hardware Fault Tolerance): Die Fehlertoleranz des Systems (Redundanz).

Ein SIL-Rating ist ein Prozess, kein einmaliges Zertifikat. Der Sicherheitslebenszyklus umfasst die Analysephase (Gefährdungsanalyse), die Realisierungsphase (Design & Engineering), die Betriebsphase (Wiederholungsprüfungen/Proof Tests) und Modifikationen/Außerinbetriebnahmen.
- Fehlendes FSM: Unklare organisatorische Verantwortlichkeiten.
- Vernachlässigung der Aktorik: Konzentration nur auf die Sensorik.
- Zu lange Prüfintervalle: Erhöhung der PFDavg über zulässige Grenzwerte.
- Fehlende oder falsche Nachweisberechnung
Die Beherrschung des Safety Integrity Levels schützt Leben, sichert die Anlagenverfügbarkeit und sorgt für rechtliche Absicherung.
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