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Explosionsschutz (ATEX): Der ultimative Guide für Betreiber und Hersteller

23. Januar 2026

In Industrien, in denen brennbare Gase, Dämpfe oder Stäube verarbeitet werden, gehört der Explosionsschutz zur Königsdisziplin der Anlagensicherheit. Ein Funke oder eine heiße Oberfläche kann hier katastrophale Folgen haben. Doch wie unterscheidet man zwischen ATEX-Produkt- und Betriebsrichtlinien, wie werden Zonen korrekt eingeteilt und welche Rolle spielt das Explosionsschutzdokument? In diesem Experten-Beitrag erfahren Sie alles über die Richtlinien 2014/34/EU und 1999/92/EG sowie die praktische Umsetzung im Betrieb.


Inhaltsverzeichnis

  1. Was ist Explosionsschutz?
  2. Die rechtliche Basis: ATEX-Richtlinien 2014/34/EU und 1999/92/EG
  3. Zonen-Einteilung: Gase, Dämpfe und Stäube
  4. Schutzprinzipien: Von druckfester Kapselung bis Eigensicherheit
  5. Das Explosionsschutzdokument: Pflicht für jeden Betreiber
  6. Häufige Fehler im Explosionsschutz
  7. Fazit: Explosionsschutz als Fundament der Betriebssicherheit



1. Was ist Explosionsschutz?

Explosionsschutz umfasst alle Maßnahmen, die das Entstehen von Explosionen verhindern oder deren Auswirkungen auf ein unbedenkliches Maß beschränken. Er basiert auf dem Prinzip des "Explosionsdreiecks": Damit eine Explosion stattfindet, müssen ein brennbarer Stoff, Sauerstoff und eine Zündquelle gleichzeitig vorhanden sein.


Man unterscheidet drei Stufen:

  • Primärer Explosionsschutz: Vermeidung der Bildung explosionsfähiger Atmosphäre (z. B. durch Inertisierung oder Lüftung).
  • Sekundärer Explosionsschutz: Vermeidung wirksamer Zündquellen (z. B. durch Auswahl geeigneter Betriebsmittel).
  • Tertiärer (konstruktiver) Explosionsschutz: Begrenzung der Auswirkungen einer Explosion auf ein sicheres Maß (z. B. durch Explosionsunterdrückung oder Druckentlastung).

2. Die rechtliche Basis: ATEX-Richtlinien

Im europäischen Raum wird der Explosionsschutz durch zwei zentrale ATEX-Richtlinien (frz. Atmosphères Explosibles) geregelt:


  • Richtlinie 2014/34/EU (ATEX-Produktrichtlinie): Sie richtet sich an Hersteller und regelt das Inverkehrbringen von Geräten und Schutzsystemen, die in explosionsgefährdeten Bereichen eingesetzt werden.
  • Richtlinie 1999/92/EG (ATEX-Betriebsrichtlinie): Sie richtet sich an Betreiber und definiert die Mindestanforderungen zur Verbesserung des Gesundheitsschutzes und der Sicherheit der Arbeitnehmer.


In Deutschland ist dies primär durch die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) und die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) sowie das technische Regelwerk (TRGS/TRBS)

3. Zonen-Einteilung: Wie hoch ist das Risiko?

Bereiche, in denen explosionsfähige Atmosphäre auftreten kann, müssen in Zonen unterteilt werden. Die Einteilung richtet sich nach der Häufigkeit und Dauer des Auftretens dieser Atmosphäre:

Stoffgruppe Ständig/Langzeitig Gelegentlich Selten/Kurzzeitig
Gase/Dämpfe Zone 0 Zone 1 Zone 2
Stäube Zone 20 Zone 21 Zone 22

Die Zone bestimmt direkt die Anforderungen an die zu verwendenden Geräte (Gerätekategorien 1, 2 oder 3 bzw. Equipment Protection Level EPL Ga, Gb, Gc).

4. Schutzprinzipien und Zündschutzarten

Um elektrische oder mechanische Geräte in Zonen sicher zu betreiben, kommen verschiedene Zündschutzarten zum Einsatz. Die bekanntesten sind:


  • Druckfeste Kapselung (ex d): Eine Explosion im Inneren wird nicht nach außen übertragen.
  • Eigensicherheit (ex i): Strom und Spannung sind so begrenzt, dass kein Funke genügend Energie zur Zündung hat.
  • Erhöhte Sicherheit (ex e): Zusätzliche Maßnahmen verhindern hohe Temperaturen und Funkenbildung.
  • Überdruckkapselung (ex p): Eindringen der Atmosphäre wird durch ein Schutzgas unter Überdruck verhindert.


5. Das Explosionsschutzdokument

Gemäß §6 der Gefahrstoffverordnung ist jeder Arbeitgeber verpflichtet, ein Explosionsschutzdokument zu erstellen, noch bevor die Arbeit aufgenommen wird. Es muss unter anderem enthalten:



  • Die Identifizierung und Bewertung der Explosionsrisiken.
  • Die Einteilung der Bereiche in Zonen.
  • Die getroffenen technischen und organisatorischen Schutzmaßnahmen.
  • Ein Konzept für die regelmäßige Prüfung der Anlagen durch "befähigte Personen".


6. Häufige Fehler im Explosionsschutz

  • Mangelhafte Instandhaltung: Dichtungen an ex-geschützten Gehäusen werden nach Wartungsarbeiten nicht korrekt ersetzt.
  • Falsche Kennzeichnung: Einsatz von Geräten der Kategorie 3 (Zone 2) in Bereichen der Zone 1.
  • Zündquelle "Mensch": Unterschätzung von elektrostatischer Aufladung durch ungeeignete Kleidung oder Werkzeuge.
  • Fehlende Dokumentation: Das Explosionsschutzdokument wird nicht aktuell gehalten (z. B. nach Umbaumaßnahmen).

7. Fazit: Explosionsschutz als Fundament der Betriebssicherheit

Explosionsschutz ist weit mehr als nur das Anbringen von Warnschildern. Er erfordert ein tiefes Verständnis der verarbeiteten Stoffe, eine präzise technische Planung und eine lückenlose Dokumentation.

Wer hier investiert, schützt nicht nur seine Mitarbeiter, sondern sichert auch seine Sachwerte und die rechtliche Compliance des Unternehmens.


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